TEAM KNISS & KNISS: MOUCHES VOLANTES

Auch in unserem Team hat sich viel getan, Zeit für ein Update!

Unser Projekt heißt jetzt Mouches volantes. Mouches volantes kommt aus dem Französischen und heißt wörtlich übersetzt fliegende Fliegen (deutsch fliegende Mücken). Es ist ein Begriff aus der Augenheilkunde und bezeichnet jene Bilder, Flecken und Füssel, die man vor dem Auge sieht und die sich, sobald man sie mit dem Blicken zu fassen versucht, sich diesem entziehen. Sie scheinen vor dem Auge herzuschwimmen. Dieses Moment des des “Sich-Entziehens” oder “Fast-Sehens”, war unser konzeptuelle Leitfaden, den wir in einem Mix aus Illustration (unserer Hauptdisziplin) und neuen Möglichkeiten der Interaktion mithilfe von Arduino (und dank der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Marius Tippkämper) erproben konnten.

Wir haben drei Guckkästen gebaut, die unterschiedlich interaktiv erfahrbar sind. Sie machen sich die Neugier des Betrachters und dessen Erwartungen zunutze – und überlisten diese: Ein Text wird beim näheren Hineinsehen unscharf/ eine Zeichnung eines lieblichen Gesichts verwandelt sich in ein böse Fratze/ ein Kasten lässt dreht sich vom Betrachter weg und läst verwehrt den Blick ins Innere. Somit bleibt für den Betrachter, ganz wie bei den Mouches volantes, das Erahnte ungesehen – und führt ihm die Vergeblichkeit seiner Bemühungen spielerisch vor Augen.

 

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Auf der vergangenen C.A.R. konnten wir die Ergebnisse unseres Experiments vorstellen und haben die Reaktionen des Publikums beobachtet.Dabei wir auf neue Ideen für die Anwendbarkeit außerhalb des Ausstellungskontextes gestoßen:

  • Der Guckkasten als Medium funktioniert wie eine Blickschleuse, ein Filter. Nur ein einzelner Betrachter kann gleichzeitig hineinblicken. Diese Exklusivität lässt ihn das Gesehene wie ein nur für ihn gelüftetes Geheimnis erscheinen – die Umgebung wird dabei völlig ausgeblendet. Daher kann der Guckkasten prinzipiell in jedem stark belebtem visuellem Umfeld, beispielsweise auf einer Buchmesse, eingesetzt werden. Die Aufmerksamkeit des Betrachters kann so vor aüßeren Reizen geschützt ganz gezielt auf bestimmte Inhalte gelenkt werden.
  • Das physische Erlebnis der Mouches volantes (das aktive Erforschen und “Getrickst”-werden, das Reagieren und Hinterfragen seines eigenen Verhaltens usw.) beinhaltet viele psychologische Aspekte und wäre (ggf. in abgewandelter Form) im Kontext von Wahnehmungs- und Sinnesübungen für Kinder und/oder Behinderte denkbar.

  • Der Unschärfe-Effekt, der beim Hineinsehen in eines der Objekte automatisch eintraf, ließ manch einen Besucher kritisch seine Brille kontrollieren. Ein Pseudo-Sehtest beim Optiker könnte so (scherzhaft natürlich) für neue Brillen werben.

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